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      Wasserwelten

      Ursprung der Spree
      von Markus Müller

      Die Spree – Identität stiftender Fluss für Brandenburg und Berlin – ist eigentlich eine Sächsin. Ihre Quellen liegen im Lausitzer Bergland an der tschechischen Grenze auf fast 500 m; die höchstgelegene gefasste Quelle ist mit 480 m die Walddorfer Quelle am Kottmar. Nach 382 km Flusslauf und 450 m Gefälle mündet sie in Berlin in die Havel. Legt man die Einzugsgebiete zugrunde, so mündet eigentlich die Havel umgekehrt in die Spree, da die Spree mit 10.105 km2 ein gut dreimal so großes EZG besitzt wie die Havel bis zum Zusammenfluss (3.252 km2). Beide sind dem Stromgebiet der Elbe zuzurechnen.

      Die Spree mit ihrem Einzugsgebiet, Quelle: LURI

      Nach ihrem Ursprung im Mittelgebirgsraum durchfließt die Spree das Norddeutsche Tiefland. Diese Landschaft ist das Ergebnis eines sich seit der letzten Inlandsvereisung (Weichseleiszeit, vor ca. 130.000 bis 10.000 Jahren) bis heute vollziehenden Entwicklungsprozesses. Die heutige Landschaft begann sich nach dem Abschmelzen der sich im Weichselglazial noch bis südlich Berlin (Raum Luckenwalde) ausdehnenden Gletscher vor etwa 10.000 Jahren zu formen. Auch der Lauf der Spree ist somit erdgeschichtlich betrachtet sehr jung.Vorherrschende Prozesse waren zunächst die Auswaschung breiter Abflussbahnen in den Sedimenten der Gletscher (Grundmoränen und tiefer liegende Sande vorhergehender Warmphasen) durch die Massen des Schmelzwassers.

      Eisrandlagen der Weichsel- und Saaleeiszeit, Quelle: wikipedia.org/ Aerowest GmbH – Google Inc.

      Die Spree quert zwei der älteren Urstromtäler (Magdeburger und Baruther Urstromtal), um dann in das auch von den Schmelzwässern der letzten Vereisung genutzte Berlin-Warschauer Urstromtal einzuschwenken. Während der Bildung der Urstromtäler herrschte noch weitgehend Dauerfrost vor.Während die Schmelzwasserströme allmählich schwächer wurden, kam es mit der weiteren Erwärmung zum Auftauen der Böden. Da nun jedoch der Abfluss nur noch durch Niederschlagswasser gespeist wurde, sank die erodierende Kraft der Gewässer rasch. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Zeit ist daher im Gebiet der letzten Vereisung die Formung des Gewässersystems nicht abgeschlossen, es liegt ein unreifes Gewässersystem vor. Dies ist am Spreelauf gut zu erkennen:Die Entstehung der Seen ist meist auf das Austauen von Gletscherbruchstücken zurückzuführen.

      Weichseleiszeitliche Urstromtäler im Berliner Raum, Quelle: LURI, verändert nach de.wikipedia.org

      Diese von der Unterseite der Gletscher abgescherten Toteisblöcke von z. T. beträchtlichem Ausmaß waren zunächst von Sediment überdeckt im Dauerfrostboden erhalten geblieben. Die weitere Erwärmung führte zu einem Abschmelzen, wodurch Hohlformen in der Landschaft zurückblieben. Wie die Fließgewässer selbst unterliegen auch die Seen einer ständigen Veränderung, die je nach Tiefe mehr oder weniger rasch zu einer Verlandung infolge des Absetzens mineralischer und organischer Sinkstoffe führt. Die ausgedehnten Niedermoore der brandenburgischen Landschaft sind Zeugen dieser Entwicklung.Während der Oberlauf noch ein hierarchisch gegliedertes, eher gradliniges Gewässersystem aufweist, ähneln Spree und ihre Zuflüsse unterhalb des Spreewaldes eher einem Netz. Hier finden sich auch die für Jungmoränenlandschaften typischen Seen, die in großer Zahl die Landschaft auflockern.

      Niedermoor Foto: Jan van der Crabben, lizensiert unter Attribution ShareAlike 2.0 License

      Die Toteisblöcke sind häufig in ehemals unter dem Gletschereis liegenden Schmelzwasserrinnen eingeschaltet. Daher werden die Seen oft von Fließgewässern durchströmt. Auch im Spreelauf sind eine Reihe kleinerer und größerer Seen eingeschaltet, deren größter der Schwielochsee gefolgt vom Müggelsee in Berlin ist. Lange Zeit wurde angenommen, dass die Spree ursprünglich nicht durch diese beiden Seen floss, sondern dem Lauf der heutigen Dahme folgend einen direkteren Verlauf nach Norden hatte. Dieser Theorie nach hätte erst das Austauen des Schwielochsees zum heutigen, weit nach Osten ausholenden Spreebogen geführt. Neuere Untersuchungen kommen jedoch zum Ergebnis, dass die Spree von Anfang an in etwa den heutigen Verlauf genommen hat.

      Luftbild des Berliner Müggelsees, Quelle: Aerowest GmbH

      Der Autor

      Markus Müller ist Diplombiologe, Gutachter und Planer. Er war in der Landsschaftsplanung und in Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit auf allen Planungsebenen tätig. Markus Müller ist Geschäftsführer des Wassernetzwerks WaterPN.





























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