Im ersten Satz der Film-Sinfonie berichten Menschen von ihrem Le- ben am und mit dem Fluss - ein Bo- denkundler aus dem Spreewald, ein Fischer vom Neuendorfer See, ein Biologe, der die Flusssohle erforscht.
Im zweiten Satz der Spreesinfonie erleben wir den Fluss wie in einem Stummfilm. Der Regisseur überlässt es Musik und Bildern, der Spree Charakter und Stimme zu verleihen. Noch einmal folgen wir ihrem Lauf, erinnern uns an Begegnungen, ent- decken das schimmernde Antlitz von „Lady Spree“ in seinen vielfältigen Variationen, im Wechsel der Jahres- zeiten. Die Filmmusik von Karsten Gundermann, gespielt von der Dresdner Philharmonie, unterstreicht die eindrucksvollen Bilder. Dem Zu- schauer wird Zeit gegeben, über das Wesen eines Flusses nachzudenken, sich seinem Strömen hinzugeben, mit der Spree zu fließen, getragen von der Musik.
Einer Sorbischen Sage nach, fertigte zur Verteidigung seiner Stadt Budis- in, dem heutigen Bautzen, der Riese Sprejnik Pfeile und Bogen an. Um seine Waffen zu testen, schoss er ei- nige Pfeile in Richtung des Oberlau- sitzer Berglandes ab, wo sie später von Menschen geborgen wurden. Beim Ausgraben der großen Ge- schosse stießen sie an mehreren Stellen auf Wasser, das sich in Bä- chen zu einem Fluss vereinte. Fortan nannten die Einheimischen den Fluss zu Ehren des Riesen: Spree.
Von allen Wassern sind die Flüsse dem Menschen besonders verbun- den: sie sind die Lebensadern der Erde. Mit ihrer andauernden Beweg- lichkeit erfrischen sie Körper und Geist, sie sind von magischer An- ziehungskraft. An ihren Ufern ent- standen Städte und Dörfer - Sagen und Legenden ranken sich um ihren Lauf. Es ist ihr stetes Fließen durch Raum und Zeit, das Flüsse zu Sinn- bildern des Lebens werden lässt.
Die Spree durchläuft einen fast 400 km langen Weg von ihrer Quelle am Berg Kottmar bis zur Mündung in die Havel in Berlin. Die Geschichte des Hauptstadtflusses ist eng mit der deutschen Teilung verbunden. Die Spree war Grenze zwischen Ost- und West-Berlin.
Die Spree ist Tränke, Wasserstraße und Arbeitsplatz. Ihr belebendes und zerstörendes Element bringt Fluch und Segen. Von der Quelle bis zur Mündung, von der Geburt bis zum Tod, durchströmt sie Zeit und Erin- nerung der Menschen am Fluss.
Der Mensch stellt Netze, baut Däm- me, Brücken – dem Fluss ein neues Bett, um an ihm und von ihm zu le- ben. Im engen Kontakt wird auch er geprägt vom Fluss, dessen Ge- schichte sich jeden Tag neu erzählen lässt – aber niemals fassbar wird.
Trotz der Entwicklung eines ganz- heitlichen Umwelt-Bewusstseins fehlt dem Menschen oftmals der Bezug zu seiner unmittelbaren Umgebung. In- dem die Frage gestellt wird, was gut ist für den Fluss, beinhaltet die Ant- wort auch, was gut ist für uns. Bewusst-Sein, das ist es, wovon der Fluss erzählt.
Der Mensch schafft künstliche Wel- ten und verliert dabei die natürliche Verbindung zum Wasser. Solange er sie nicht wiedererlangt, ist sein Le- ben unvollständig, auch wenn er die- sen Mangel nicht deutlich begreift.
Das Wasser ist der Spiegel aller Din- ge. Es verdoppelt die untergehende Sonne, die Tiefe des Himmels. Im Fluss spiegelt sich der ganze Mensch – sein Äußeres ebenso wie seine ge- heimsten Sehnsüchte und Wünsche. Die Gestalt des Wassers ist Wand- lung.
Im fließenden Wasser spiegeln sich ziehende Wolken – Himmelsflüsse. Sie kommen vom Meer und bringen das Wasser zurück an seinen Aus- gangsort, füllen die Quellen. Wie kann ein Fluss, der sich unaufhörlich verströmt und erneuert, dennoch ein- und derselbe sein?
Fließendes Wasser trägt Gedanken mit sich fort zu neuen Ufern. Wie die Erinnerung den Menschen so durch- strömt der Fluss die Landschaft, ruft einen Kosmos von Bildern und Emo- tionen wach. Diese Flut versuchen Filme für den Menschen sichtbar zu machen. Im Film erscheint Vergan- genheit als Gegenwart.
2007, 85 Minuten, Format HD
Götz George
Dr. Martin Pusch
Wolfgang Richter
Jochen Schümann
Dr. Manfred Werban
Chor „Concordia“ Burg, Spreewald
Gerd Conradt
Hans Rombach bvk
Karsten Gundermann
Dresdner Philharmonie
Michael Sanderling
Astrid Vogelpohl
Jürgen Schönhoff
Paul Oberle
Robert Cibis
Anna Thalbach
Lutz Glandien
Sebastian Gassner
Daniela Schulz
Rolf Bergmann
Heino Deckert
ma.ja.de. filmproduktion
RBB
Koppfilm
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burg (MBB)
Entwicklung gefördert durch das
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und die Mitteldeutsche Medienför- derung (MDR)
Weltvertrieb – Deckert Distribution,
www.deckert-distribution.com
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