Ein blau schimmernder illuminierter Ring im Wasser der so groß ist, dass er aus der Stratosphäre mit bloßem Auge erkennbar sein wird: Das ist das Projekt des bulgarischen Architekten Jeko Tilev. Der Initiator des Seuthopolis Projektes hat Gigantisches vor. Er will die antike thrakische Stadt Seuthopolis, die durch die Flutung des im Jahr 1948-1954 errichteten bulgarischen Koprinca Staudammes in den Wassermassen versunken ist, trockenlegen und für Besucher zugänglich machen.
Die Stadt des Thrakerkönigs Seuthes des Dritten wurde 323 v. Chr. gegründet und war Hauptstadt des antiken Staates Odrissia. Während des Baus des Dammes wurde Seuthopolis entdeckt und unter der Leitung des Archäologen Dimitar Dimitrov eingehend studiert und dokumentiert bevor die historischen Mauern im Wasser versanken..
Die archäologischen Ausgrabungen zeigten, dass die Stadt aus befestigten Siedlungen auf einem Gebiet von fünf Hektar und mehreren Vortorten bestand. Seuthopolis wurde auf den Ruinen eines älteren Palastkomplexes und einer thrakischen Siedlung gebaut. Der Tundzha Fluß (damals Tonezus genannt) umgab die Stadt von drei Seiten. Zusätzlich wurde Seuthopolis von einer 890 Meter langen Mauer umschlossen. Von den zwei Stadttoren liefen zwei weite Straßen durch die Stadt und kreuzten sich im Zentrum im rechten Winkel. An dieser Kreuzung stand der Tempel des Dionysos..
Die Stadt wurde von ungefähr 50 Familien bewohnt, die den Kern der thrakischen Aristokratie bildeten. Die unglaubliche Größe der Stadt ist Zeugnis ihrer damaligen ökonomischen Macht und ihrer politischen Bedeutung in der Region. Nach Meinung von Archäologen fallen Prinzipien der griechischen Stadt auf, allerdings gibt es viele Merkmale – wie zum Beispiel die ausgiebige Verwendung von Ziegelsteinen – die die Stadt zu einem einzigartigen Baudenkmal machen.
Die lebendigen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen der Stadt zu den großen urbanen Zentren des antiken Griechenlands, und die lokale hoch entwickelte Handwerkskunst, machten Seuthopolis zu einem herausragenden Zentrum der thrakischen Wirtschaft und Kultur.
Durch den geplanten Bau eines Dammrings, der die einstige Pentagonform der antiken Stadt umschreiben soll, wird es möglich, Seuthopolis wieder offen zu legen und auszustellen, sie teilweise zu rekonstruieren und zu erhalten. Der Ring ist eine architektonische Intervention, die Geschichte und Gegenwart für Besucher sichtbar in Beziehung setzt.
Vom Wasser aus wird die Stadt nicht zu sehen sein, wenn man jedoch vom Dammring auf sie herabschaut, breitet sich ein antikes Szenario aus, in dem der zeitgenössische Rahmen wie ein umgekehrter thrakischer Grabhügel funktioniert, und das offen legt, was für viele Jahrzehnte durch das Wasser verborgen war.
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