Das Spreetal wird im Raum Berlin von den beiden Grundmoränen des Teltow im Süden und des Barnim im Norden begrenzt. Die Spree durchfloss als breiter, vielfach gewundener Flachlandfluss ausgedehnte Wälder, die vielerorts im Auenbereich der Spree lagen.
Die Gründung Cöllns und Berlins im 13. Jahrhundert auf trockenen Talsandkuppen an einer Engstelle des flachen und sumpfigen Tales beschleunigte die Eingriffe des Menschen, der bereits seit mehreren Jahrtausenden den Fluss und die ihn umgebende Landschaft vor allem durch Rodungen beeinflusste. Eine Karte aus dem Jahr 1780 zeigt die Auenflächen zwischen Berlin und Spandau weitgehend als Wiesen, während der Spreelauf noch zahlreiche Krümmungen und Verästelungen aufweist.
Bereits zu dieser Zeit – und noch heute – war die Spree am Mühlendamm östlich der damaligen Stadt Berlin zum Betrieb von Mühlen aufgestaut (1285 erstmals erwähnt), eine Schleuse erleichterte seit 1578 die Schifffahrt. Der vermutlich erste künstliche Wasserlauf größerer Länge im heutigen Stadtgebiet war der Landwehrkanal. Er soll bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Grenzgraben (Landwehrgraben) vorhanden gewesen sein. Sein in mehreren Stufen erfolgter Ausbau diente sowohl der Ableitung des Spree-Hochwassers als auch später als Verkehrsweg zur Versorgung der Bevölkerung.
1907 wurde der Teltowkanal in Betrieb genommen, der als Schifffahrtskanal das damalige Stadtgebiet weit im Süden umging und die Dahme mit der Unterhavel bei Potsdam/ Babelsberg verbindet. Zwischen 1847 und 1936 wurden weitere Kanäle zur Erleichterung der Schifffahrt und der Versorgung der Bevölkerung angelegt: Der Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal, auch Hohenzollernkanal genannt, verbindet die Oberhavel mit der Spree westlich des Stadtkerns Berlins. Der Westhafenkanal erreicht den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal von der Unterhavel in Spandau her und wurde mit einer weiteren Verbindung zur Spree ausgestattet (Charlottenburger Verbindungskanal). An beiden Kanalstrecken wie auch am Teltowkanal haben sich im 18./19.Jhd. vielfach Gewerbe- und Industriebetriebe angesiedelt.
Der Neuköllner Schifffahrtskanal verbindet den Landwehrkanal mit dem Teltowkanal, an ihrem Zusammentreffen wurde zudem eine Verbindung zur Spree geschaffen (Britzer Verbindungskanal). Der Gosener Kanal östlich des Müggelsees verbindet Müggelspree mit Dahme unter Umgehung des Müggelsees. 1882 bis 1892 wurde die Stadtspree kanalisiert und damit nicht nur die Schifffahrt erleichtert, sondern auch der Hochwasserabfluss verbessert. Das Zusammenspiel von Spreekanalisierung, Regulierung und den parallel angelegten Kanälen sorgt seitdem für eine für den Bürger weitgehend unbemerkte Abfuhr der Hochwasserwellen der Spree. Das gesamte Berliner Gewässersystem ist durch Staustufen geregelt. Den größten Einfluss auf Abflussverteilung und Wasserstand haben die Mühlendammschleuse im Zentrum und die Schleuse Klein-Machnow, die den Höhenunterschied im Teltowkanal zur Unterhavel überwindet.
Über diese beiden Staustufen wird der Wasserstand im Gewässersystem innerhalb eines engen Bandes auf Höhe des sog. „Berliner Normalstaus“ (seit 1892: 32,28 m NN) gehalten und so die Schifffahrt ganzjährig ermöglicht (Einhaltung der erforderlichen Tiefe und der Brückendurchfahrtshöhe). Aufgrund des sehr geringen Gefälles der Unterspree reichen die Wirkungen dieser Stauhaltung bis weit östlich Berlins in die Müggelspree hinein. Der Spreelauf wird unterhalb der Mühlendammschleuse nochmals durch die Charlottenburger Schleuse unterbrochen, ehe die Spree in die Havel einmündet. Diese ist zuvor durch die Spandauer Schleuse ebenfalls eingestaut worden, der nächste Stau im Flusssystem der Havel (Stadt Brandenburg) reicht in seiner Wirkung bis in die Berliner Unterhavel.
Markus Müller ist Diplombiologe und leitet das Wassernetzwerk WaterPN. Er ist außerdem Mitglied des Vorstands des Vereins zur Förderung des Wasserwesens VFW e.V. in Berlin
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