Im 18. und 19. Jahrhundert waren Flussbäder in Europa eine weit verbreitete und beliebte Form der öffentlichen Badeanstalt. Auch auf der Elbe gab es in vielen größeren Städten Bäder, die meist aus Flößen bestanden. Sie waren durch Ketten am Ufer befestigt und konnten über Stege oder Gondeln erreicht werden. Da im 18. Jahrhundert nur wenige Menschen schwimmen konnten, waren die Floßbäder in Zellen unterteilt, in denen die Gäste über eine Treppe in einen Korb gelangten, der durch eine Öffnung in den Fluss gesenkt wurde.
Dies verhinderte das Abtreiben ungeübter Schwimmer und wahrte besonders bei gemischten Bädern die Diskretion, denn noch bis zum 18. Jahrhundert konnte das freie Baden in Flüssen rechtmäßig bestraft werden. Im Winter war der Betrieb geschlossen und die Flöße wurden bis zur nächsten Saison abgebaut.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts konnten die Besucher in einigen Bädern das Schwimmen lernen. Dazu wurden sogenannte Kastenbäder eingerichtet: ein Floß mit vier Bretterwänden und einem großen Becken in der Mitte. Um das Becken herum führte ein Weg mit Bänken, auf denen die Badegäste ihre Kleidung ablegen konnten. Später kamen auch Umkleidekabinen auf dem Floß selbst hinzu.
Außerdem existierten an der Elbe einfache Badestellen: mit Pfählen und Schildern abgegrenzte Uferbereiche mit direktem Zugang ins Wasser. Im Wasser gab es Markierungen zur Abgrenzung des Schiffsverkehrs und am Ufer waren oft Umkleidekabinen und manchmal auch Toiletten zu finden.
Die Elbebadekultur verschwand nach und nach aus verschiedenen Gründen. Dazu zählte zum einen die Einrichtung von Hallen- und künstlichen Freibädern und zum anderen die Industrialisierung, in deren Zuge die Bedeutung der Elbe als Wasserstraße wuchs, und die zu einer erheblichen Verschmutzung des Flusses durch eingeleitete Abwässer führte. Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Baden in der Elbe untersagt.
Bis zum Ende des Kalten Krieges war die Situation der Elbe höchst problematisch, doch Flüsse sind seit jeher Grenzgänger und so verbindet auch die Elbe – tschechisch Labe - die Tschechische Republik und Deutschland und gibt Anregungen zur transnationalen Zusammenarbeit. 1990 gründete sich die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE), der Tschechien, Deutschland und die EU angehören. Seitdem ist die Schadstoffbelastung der Elbe um ca. 70% gesunken. Chlorkohlenwasserstoffe, Quecksilber und andere Gifte konnten um 98% verringert werden. Mehr als 240 Kläranlagen sind entlang der Elbe entstanden, 61 davon in Tschechien. In über 220 Schutzgebieten zwischen Riesengebirge und Nordsee kann sich die Flora und Fauna der Elbe erholen. Lachs und Biber sind schon wieder heimisch geworden.
Sogar das Baden ist in der Elbe wieder populär geworden. Inzwischen finden jährlich Elbebadetage statt, die seit 2002 von der Initiative „Lebendige Elbe“ organisiert werden. 5.000 Flussschwimmer und 90.000 Flussbegeisterte in 55 tschechischen und deutschen Städten nahmen am ersten Elbebadetag teil. Seither finden die Veranstaltungen immer größeren Zuspruch.
Noch sind die Elbebadetage regelmäßige, aber nur punktuelle Aktionen. Doch auch wenn die Wasserqualität der Elbe noch nicht den Anforderungen der Europäischen Badegewässerrichtlinie entspricht, lohnt es sich, über die Zukunft des Elbebadens nachzudenken, da entsprechende Angebote die Lebensqualität der Anwohner steigern sowie bedeutende Potentiale für die touristische Entwicklung erschlossen werden können.
In einem gemeinsamen Projekt der Universität Leipzig und der Wirtschaftsuniversität Prag, das zwischen Februar 2007 und Juni 2008 im Rahmen der EU Gemeinschaftsinitiative INTERREG IIIa erarbeitet wurde, ermittelten die Wissenschaftler die Nachfrage nach dem Baden in der Elbe und analysierten die Zahlungsbereitschaft. Im Mittelpunkt stand die Auswertung der Einstellung von Einwohnern und Touristen zum Angebot, möglicherweise ein Elbe-Flussbad in den Städten Pirna/Sachsen und Děčín/Ústecký kraj einzurichten.
Im August und September 2007 wurden jeweils mehr als 100 Personen in beiden Städten befragt. Durch persönliche Interviews direkt an der Elbe und in den Stadtzentren wurde die Meinung der Bevölkerung und der Touristen über die Nutzung der Elbe als Badegewässer erfasst. Neben ihrer grundsätzlichen Zustimmung zu dem potentiellen Vorhaben wurden die Zahlungsbereitschaft für eine (hypothetische) verbindliche Abgabe über zwei Jahre, die zweckgebunden für den Aufbau des Elbebades genutzt werden sollte, und die Zahlungsbereitschaft für eine Tageskarte zur Nutzung des Elbebades nach der Eröffnung erfragt.
Die Idee, ein Elbebad zu errichten, wurde in beiden Städten von Einwohnern und Touristen positiv aufgenommen. 80% der Befragten stimmten dem Vorschlag zu. Die Hälfte (in Děčín) bzw. ein Drittel (in Pirna) dieser Elbebadeunterstützer erklärten sich außerdem bereit, eine etwaige Abgabe für die Realisierung des Projektes zu errichten. Die Zahlungsbereitschaft der Einwohner lag bei durchschnittlich 42,97 CZK bzw. 0,77 € pro Monat/Person, die der Touristen für eine Taxe bei durchschnittlich 26,50 CZK bzw. 0,27 € pro Urlaubstag/Person. In Děčín würden Touristen bzw. Einwohner zwischen 42 CZK und 61 CZK für eine vorgeschlagene Tageskarte bezahlen, in Pirna zwischen 3,30 € und 3,90 €. Das Projekt lieferte einen Beitrag für die Planung und Entscheidungsfindung von Kommunen in der Euroregion Elbe/Labe.
„Wirtschaftliche Entwicklung durch ökonomische Bewertung der Umwelt in der deutsch-tschechischen Grenzregion“
www.interreg-ecoeval.eu
„Lebendige Elbe“
www.duh.de
„Elbbadetage“
www.badetag.de
„Auf zu den Quellen, hinein in die Badehäusgen. Die Elbebäder zu Dresden im Spiegel ihrer Quellen“ von Katja Senf.
Diplomarbeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, 2006
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