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      Wasserwelten

      Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropas
      von Jan Ryser und Raymond Beutler

      Fließgewässer gehören zu den vielfältigsten und biologisch reichsten Landschaftselementen und üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Vom Gletscherabfluss und der kleinen Quelle bis zum tosenden Fluss und mäandrierenden Tieflandstrom bietet die Natur unzählige Variationen zum Thema. „Fließende Wasser“ nimmt den Leser in Text und Bild mit auf eine Reise entlang unserer Fließgewässer und geht Fragen nach wie: Welche Quelltypen gibt es, wie funktionieren Gletscher, welche Wechselwirkungen bestehen zwischen Fließgewässer und Landschaft, wie passen sich Tiere der Flussdynamik an? Das Buch von Jan Ryser (Fotos, Text) und Raymond Beutler (Text) zeigt auf 224 Seiten und mit 163 Bildern wie vielseitig und schön die natürlichen und naturnahen Fließgewässer sind. Kommen Sie mit auf einen Streifzug!

      Foto: (C) Jan Ryser

      Das besondere Element

      Ein Sauerstoffatom, verbunden mit zwei Wasserstoffatomen, H2O:
      das ist Wasser.
      Diese Elementkombination bedeckt 71 Prozent der Oberfläche unseres Planeten und bestimmt das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen in einer unter allen Substanzen des Universums einmaligen Weise. Im Wasser vereinigen sich Leben und Tod, Segen und Fluch, Chance und Gefahr.
      Charakteristische Eigenschaften des Wassers sind seine Farblosigkeit, hohe Beständigkeit, Wärme- kapazität, Viskosität und Ober- flächenspannung. Für das Leben im Wasser von zentraler Bedeutung ist die erstaunliche Tatsache, dass Wasser bei 4 Grad seine höchste Dichte aufweist.
      Diese Temperaturschicht liegt im Gewässer zuunterst und verhindert ein Gefrieren vom Grund her.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Der Kreislauf des Wassers

      Das Wasser auf unserem Planeten befindet sich in einem dauernden Kreislauf, der aus Verdunstung, Niederschlag und Abfluss besteht. Eine Schicht von 140 cm Dicke gelangt jährlich durch Verdunstung, größtenteils von den Ozeanen, in die Atmosphäre und fällt später als Niederschlag wieder auf Land und Meere. Die Niederschläge an Land bilden und speisen die Fließgewässer und das Grundwasser in Form von Oberflächen-, Zwischen- und Grundwasserabfluss.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Wasser prägt die Landschaft

      Wasser gestaltet die Landschaft, indem es bei der Verwitterung von Gesteinen mitwirkt, Material abträgt, zu Tal transportiert und andernorts wieder deponiert: Wasser dringt in Spalten ein und dehnt sich beim Gefrieren aus, was zur physikalischen Verwitterung von Gesteinen beiträgt. Die gelösten Säuren im Wasser, etwa Kohlensäure, zersetzen Gesteine auf chemische Weise. Das gelöste Material wird vom Wasser zu Tal transportiert und an Orten mit reduzierter Fließgeschwindigkeit wieder abgelagert. Resultate dieser Prozesse sind verschiedene Talformen und Akkumulations- formen, dazu gehören auch Terrassen, Schwemmkegel oder Deltas.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Lebensraum Fließgewässer

      Der Lebensraum Fließgewässer ist geprägt von verschiedenen Faktoren: Strömung, Sohlensubstrat, Temperatur, Licht, Sauerstoffgehalt, Gehalt an Nährstoffen, Kohlendioxid und Kalk. Die tierischen und pflanzlichen Bewohner müssen sich an diese Lebensbedingungen anpassen, um Fließgewässer erfolgreich zu besiedeln. Sie besetzen dabei wie alle Lebewesen bestimmte ökologische Nischen. Die stärkste Differenzierung erfolgt durch die Art der Nahrungs- gewinnung. Die Hälfte der tierischen Gewässerbewohner verbringt nur einen Teil ihres Daseins im Wasser. So leben bei den Insekten, welche rund zwei Drittel der Fließgewässer- fauna stellen, häufig nur die Larvenstadien im Wasser.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Eisige Welten

      Fällt in einem Gebiet über mehrere Jahre mehr Schnee, als abzu- schmelzen vermag, so reichert sich dieser Schnee an. Er wandelt sich schließlich über die Stufen Altschnee und Firn in Gletschereis. Ab einer Mächtigkeit von etwa 30 Metern beginnt das Eis zu fließen; ein Gletscher entsteht. Wachstum oder Rückgang eines Gletschers werden vor allem gesteuert von den Sommertemperaturen und den winterlichen Niederschlägen. Der Gletscherabfluss heißt wegen seiner weißlich-grauen Farbe auch Gletschermilch. Vom Gletscher zermahlenes, feines Gesteinspulver gibt ihm sein Aussehen. Nach dem starken Rückgang der Gletscher in den letzten 150 Jahren fließen viele Gletscherabflüsse durch vegetationsarme, von lockerem Gesteinsmaterial dominierte Gletschervorfelder, welche in flachen Abschnitten ausgeprägte Schwemmebenen bilden können.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Quellen

      Die Definition von Quellen ist einfach: Es sind Wasseraustritte aus der Erde. Das austretende Wasser ist zuvor im Einzugsgebiet der Quelle im Boden versickert. Die Vielfalt der Erscheinungsformen ist groß. Nach Art des Wasseraustritts werden meist Sumpf- oder Sickerquellen, Fließ- oder Sturzquellen sowie Weiherquellen unterschieden. Besonders faszinierende Quellformen und Wasserphänomene finden sich in den zerklüfteten Kalksteingebieten. Spektakulär sind etwa die Austritte an Felshängen, welche direkt oder nach kurzer Fließstrecke in Wasserfälle übergehen.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Lebensadern der Landschaft

      Bäche bilden das Herzstück des Fließgewässernetzes und dominieren dieses längenmäßig.
      Ihr Erscheinungsbild ist in starkem Maß abhängig vom Gefälle. Dieses bestimmt die Kräfte des fließenden Wassers, die Bachformen und die Verteilung des Bodensubstrats. Gebirgsbäche sind meist gestreckt und weisen grobes Substrat auf; Erosionsprozesse dominieren. Niederungsbäche mäandrieren häufig und weisen feines Substrat auf; Akkumulationsprozesse dominieren. Wichtig für das Ökosystem Bach ist auch der Sohlenraum. Er dient vielen wirbellosen Tieren, aber auch Jugendstadien von Fischen, als Lebens- und Rückzugsraum.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Was sind Umlagerungsstrecken?

      An jenen Orten im Längsprofil eines Fließgewässers, wo genügend Geschiebe vorhanden ist und das Gefälle sowohl Ablagerung als auch Erosion zulässt, entstehen Umlagerungsstrecken. Sie bilden mit ihrer Dynamik eine der attraktivsten Fließgewässerstrukturen. Charakteristisch sind offene Schotterflächen, welche große Dimensionen annehmen können. Ein Musterbeispiel ist der Tagliamento, welcher Europas größte alpine Wildflusslandschaft bildet.
      Die Schotterbänke sind Lebensraum für eine spezialisierte Fauna, zu der vor allem Springschwänze, Laufkäfer, Kurzflügelkäfer und Spinnen gehören. Sie zeigen viele interessante Anpassungen, um mit den harten Lebensbedingungen klar zu kommen.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Spektakel der Natur

      Schluchten und Wasserfälle gehören zu den spektakulärsten Erscheinungsformen des Wassers. Der Alpenraum bietet eine Vielzahl von attraktiven Beispielen, bisweilen auch im Paket. Dazu gehören etwa die Trümmelbachfälle im Berner Oberland (Foto). Noch während der Eiszeiten hat sich der Bach in den Fels gebohrt und fließt heute in einer tiefen, engen Schlucht – für den Besucher streckenweise scheinbar unterirdisch. Das hohe Gefälle und zahlreiche Abstürze lassen, zusammen mit einer Wassermenge, die 20 m3/s erreichen kann, eine tosende, schäumende Wasserarena entstehen.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Tallagen: mal gemächlich, mal zerstörerisch

      Fließgewässer der Tallagen, das bedeutet geringes Gefälle, Mäander, breite Auen, aber auch faszinierende Auendynamik durch regelmäßige Hochwasser. Das herausragende Merkmal der Auen ist in der Tat ihre periodische Überschwemmung und die damit verbundene Landschaftsdynamik.
      Diese ist wiederum für die große Struktur- und Lebensraumvielfalt und die damit verbundene Artenvielfalt verantwortlich.

      Foto: (C) Jan Ryser

      Auen – Dynamik schafft Leben

      Auen weisen typischerweise eine Zonation der Lebensräume auf, die auf unterschiedliche Niveaus der Flächen und Abstände zum Fluss zurückzuführen ist: Kahle Schotter-, Kies und Sandbänke werden gesäumt von Weidengebüsch, das in eine Weichholzaue übergeht. Daran schließt eine Hartholzaue an (Foto), die von Eichen dominiert wird. Abflussrinnen durchziehen die Bestände, gelegentlich finden sich Altarme, Überbleibsel früherer Flussschlingen. Überlagert wird die Zonation durch die Sukzession der Vegetation, welche auf ungestörten Flächen bis zum Erreichen eines stabilen Endstadiums, fast immer eine Waldgesellschaft, abläuft. Zusammen sind diese Prozesse verantwortlich für das überwältigende Mosaik an Lebensraumelementen in einer dynamischen Aue.

      Foto: (C) Jan Ryser
      Buchumschlag

      Fließende Wasser: Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropas

      Jan Ryser und Raymond Beutler

      EUR 34,90

      Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

      Verlag: Haupt
      Auflage: 1 (17. September 2008)
      Sprache: Deutsch

      ISBN-10: 3258073791

      ISBN-13: 978-3258073798
      Größe:
26,4 x 24 x 1,8 cm

      Zu kaufen überall im Buchhandel oder z. B. bei www.amazon.de

      Die Autoren

      Dr. Jan Ryser studierte Biologie an der Universität Bern und der University of Florida und ist für die Naturschutzorganisation Pro Natura in der Schweiz tätig. Seit zehn Jahren hat er sich auf das Fotografieren von Fließgewässern spezialisiert und dazu die Flusslandschaften Europas bereist.
      www.janryser.ch

      Raymond Beutler studierte nach seiner Ausbildung zum Sekundarlehrer Geografie an der Universität Bern. Im Rahmen seiner Masterarbeit verfasste er einen Exkursionsführer zum Thema „Alpine Hydrologie“.





























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